Wolle vorbereiten
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Faserfieber

Handkarden oder Kardätschen

von Hand kardieren

Die am weitesten verbreitete Methode um Wolle vorzubereiten, ist sicher das Kardieren von Hand. Das liegt nicht nur daran, dass es am preiswertesten ist, sondern auch an der Vielseitigkeit. Sowohl kurze als auch lange Fasern lassen sich mit Handkarden sehr gut vorbereiten. Und auch wenn es länger dauert als mit der Kardiermaschine, ich benutze meine Handkarden immer noch, weil ich schnell mal etwas ausprobieren möchte wie bestimmte Farben zu mischen oder weil ich nur kleine Mengen brauche. Und bei kurzen Fasern sowieso...

Handkarden benutzt man paarweise. Es gibt sie wie die Kardiermaschinen auch in unterschiedlich dichter Benadelung. Je dichter die Benadelung, umso besser kann man auch feinere Wollen wie Alpaka, Angora o.ä: kardieren. Aber solche Karden muss man vor der ersten Anwendung speziell vorbereiten. Softbürsten, die man im Zoofachhandel bekommt, sind zwar weicher in der Benadelung und halten deshalb nicht so gut, aber sie sind ebenfalls geeignet, wenn sie nicht zu klein sind.

Mittellange Fasern (ca. 6 cm) hängt man mit der Schnittseite erst in die untersten Reihen - das ist die Reihe, die am weitesten vom Griff entfernt ist - ein und arbeitet sich dann Reihe für Reihe nach oben in die Richtung des Griffes. Man sollte aber nicht mehr als ca. 2/3 der Karde füllen. Ist die Faser sehr lang, kann sie herausrutschen, wenn man in die unterste Reihe einhängt. Also entsprechend höher beginnen.

Während man die eine Karde mit der Wolle nach oben hält, wird die andere Karde gegengleich mit der anderen Hand darüber gehalten. Mit einer bogenförmigen Bewegung wird die obere Karde auf die untere zubewegt. Dabei sollen sich die Häkchen nicht viel berühren, sondern die Wollfasern gekämmt werden. Dazu tippen die Zähne in die Lücken der anderen Karde und durch eine Abwätrsbewegung des Handgelenkes wird die obere Karde nach unten geneigt und dabei durch die Zähnchen mit der Wolle gezogen. Auch hier fängt man mit der ersten Häkcheseite auf beiden Karden an und arbeitet sich höher. Dabei wird die Wolle von einer Karde auf die andere übertragen. Durch Drehen beider Handgelenke kann man nun diesen Vorgang wiederholen und die Fasern wieder auf die erste Karde übertragen. Solange bis alles gut durchkardiert wurde. Am Schluss wird die leere Karde mit den untersten Zähnchen (dem Stiel am nächsten) auf die oberste Reihe der zweiten Karde gesetzt und durch heruntergleiten alle Woll abgelöst. Lange Wolle lasst sich aber auch einfach an den langen heraushängenden Fasern packen und nach oben abziehen. Röllchen daraus zu formen halte ich für nicht empfehlenswert. Im Gegenteil, starre Fasern wie Mohair können sich auf die Art sogar verheddern und stören einen ruhigen Spinnablauf.

Baumwolle

Kurze Fasern (unter 3 cm) kardiere ich ein wenig anders als lange. Die Karden bleiben immer in derselben PositionBW kardieren während die Fasern zwischen den Karden hin- und her kardiert werden. Dazu halte ich eine Karde mit dem Griff im leichten Winkel zum Knie zeigend auf dem Oberschenkel. Mit der zweiten Karde wird zunächst aufgelockert, indem man erst über die unteren Zähnchen kardiert -und zwar mit der gesamten Karde- und sich dann langsam durch Neigen dieser Karde (mit dem Stiel nach oben) in einer Abwärtsbewegung durch die Fasern arbeitet. Ziel ist es, alle Fasern gleichmäßig am Schluss auf der unteren Karde - die auf dem Oberschenkel - verteilt zu haben.

Wird die obere Karde beim Kardieren mit dem Stil nach unten geneigt, werden die Fasern der unteren Karde durchgebürstet. Zum Übertragen der Fasern auf die obere Karde, neigt man die obere Karde beim Kardieren mit dem Stil nach oben. Ich arbeite mich immer von unten nach oben (stilabgewandte Seite bei beiden Karden nach oben) durch, sowohl beim Auflockern als auch Übertragen von einer Karde zur anderen.

Wenn alles gut kardiert wurde, also keine Klümpchen o.ä. mehr sichtbar sind, wird bei sehr kurzer Baumwolle (unter 3 cm) ein Röllchen (Puni -) gedreht. Mit Stricknadeln geht es nicht so gut, weil die Oberfläche zu glatt ist, aber ein 5-7 mm starkes Rundholz aus dem Baumarkt tut es hervorragend. Im Gegensatz zu den erwähnten Würstchen, die man mit der Hand oder der Karde formt, sind diese Röllchen viel fester gewickelt. Ich musste etwas probieren, bis ich die richtige Festigkeit herausfand. Der Faden soll sich ja locker aus dem Inneren des Röllchens herausziehen lassen. Ist das Röllchen zu fest, kommen zu viele Fasern mit oder gar keine und der Faden reisst ab. Ist das Röllchen zu locker, lässt sich der Faden nur zeitweilig gut ausziehen, aber wenn nicht genug Fasern als Nachschub kommen, wird der Faden unterbrochen. Je kürzer die Fasern, umso dichter wickle ich das Röllchen.

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